Buchcover Sahar Khalifa Die Verheißung (Ausschnitt) Die Verheißung.

Kapital – Verbrechen

Hoffnungsschimmer

Sendemanuskript

Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte

Radio: Radio Darmstadt.

Ausstrahlung am:

Montag, 27. Februar 2006, 17.00 bis 18.00 Uhr

Wiederholt:

Montag/Dienstag, 27./28. Februar 2006, 23.10 bis 00.10 Uhr
Dienstag, 28. Februar 2006, 08.00 bis 09.00 Uhr
Dienstag, 28. Februar 2006, 14.00 bis 15.00 Uhr

Zusammenfassung:

Ich sprach über den Unabhängigkeitskrieg im Zuge der israelischen Staatsgründung, über eine störende Blume in der Militärjustiz, über Frauenemanzipation in Palästina und über einen vom Abstieg bedrohten arabisch-israelischen Fußballverein.

Besprochene Bücher:

Playlist:


Inhaltsverzeichnis


Eine Wahl oder keine Wahl?

Jingle Alltag und Geschichte

Am 28. März [2006] wird in Israel ein neues Parlament gewählt. Neben der Arbeitspartei und dem Likud-Block treten wie immer mehrere religiöse Parteien an. Neu ist die Teilnahme der von Israels schwer erkranktem Ministerpräsidenten Ariel Scharon ins Leben gerufenen Bewegung Kadima, mit der er den traditionellen Parteienkonsens und Parteiendissens sprengen wollte. Ob diese neue Gruppierung ohne Scharon eine Chance hat, bleibt abzuwarten. Aber eigentlich ist es irrelevant. Wahlen sind nun einmal dafür da, das Personal zu bestimmen, welches die Politik des ideellen Gesamtkapitalisten durchführt. Diese Politik wird – wie überall auf der Welt – nicht von den Wählerinnen und Wählern bestimmt. Aber wer bestimmt die Richtlinien in Israel?

Der Staat Israel ist ein besonderer Staat. Dies liegt weniger an der offiziellen Darstellung, wonach er die Garantie dafür sei, daß sich der Holocaust niemals wiederholen könne. Abseits von dieser Ideologie handelt es sich bei diesem Staat um eine ehemalige Siedlerkolonie, die sich das Land durch Kauf, Raub und Krieg genommen hat. Nun ist dieser Staat ein Faktum, und es ist sinnlos, über die Berechtigung dieses Faktums zu debattieren. Genausogut könnte man und frau über die Berechtigung der Existenz Deutschlands reden [1]. Allerdings sind die Grundfesten dieses Staates alles andere als stabil. Ohne seine Armee und ohne die massive finanzielle und militärische Unterstützung durch die USA würde Israel nicht die dominante Rolle im Nahen Osten spielen können, welche das Land derzeit einnimmt.

Das Personal, das am 28. März gewählt wird, wird – in welcher Konstellation auch immer – die Politik seiner Vorgänger fortsetzen. Die Frage stellt sich, ob die Politik den Staat Israel damit nicht langfristig an die Wand fährt. Und so gibt es innerhalb wie außerhalb Israels bedeutende kritische Stimmen, die eine Abkehr von der bisherigen Politik der Stärke fordern. Das Überleben des Staates Israel könnte nämlich auch daran hängen, ob es der israelischen Gesellschaft gelingt, ihre militaristischen Wurzeln zu überwinden und kooperative Lösungen mit der palästinensischen bzw. arabischen Umgebung zu finden.

Zwei dieser kritischen Stimmen sind Uri Avnery und Felicia Langer. Uri Avnery ist gewissermaßen ein Dissident. Der Schriftsteller und Friedensaktivist saß zehn Jahre im israelischen Parlament. Er erlebte den Krieg, welcher die Unabhängigkeit Israels begleitete, als Soldat mit und schrieb hierzu zwei Bücher. Diese wurden im vergangenen Jahr bei Diederichs neu aufgelegt. Felicia Langer hat als Rechtsanwältin palästinensische Männer und Frauen vor israelischen Gerichten vertreten, bis sie zu der Einsicht gelangte, daß sie damit eine Farce legitimiere. 1990 emigrierte sie nach Deutschland. Der Publizist Hans-Dieter Schütt führte im vergangenen Jahr für den Karl Dietz Verlag Berlin mehrere Gespräche mit der (im positiven Sinn) streitbaren Autorin. Beide Bücher werde ich in meiner heutigen Sendung vorstellen.

Eine andere Stimme aus der Region ist die palästinensische Feministin und Schriftstellerin Sahar Khalifa. Von ihr erschien Ende 2004 der Roman Die Verheißung im Schweizer Unionsverlag. Mit der Autorin führte ich im Herbst 2004 ein Gespräch auf der Frankfurter Buchmesse. Und zum Schluß bespreche ich ein Buch über einen arabisch-israelischen Fußballverein, der einen Ansatz darstellen könnte, die Kluft zwischen jüdischen und arabischen Israelis zu überwinden.

Für die Redaktion Alltag und Geschichte auf Radio Darmstadt ist am Mikrofon Walter Kuhl.

»»  Das Manuskript der Sendung habe ich 2025 auf meine politisch-historische Webseite transferiert. Es ist dort inhaltlich unverändert nachzulesen. Meine An- und Abmoderationen, sowie Überleitungen habe ich dabei zugunsten eines besseren Textflusses ausgelassen,

 

Schimmert Hoffnung durch?

Jingle Alltag und Geschichte –

heute über mögliche Hoffnungsschimmer im Verhältnis zwischen Israelis und Palästinenserinnen. Hierzu habe ich vier Bücher vorgestellt, und zwar:

Diese Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte wird auf Radio Darmstadt in der Nacht von Montag auf Dienstag um 23.10 Uhr, am Dienstagmorgen nach dem Radiowecker um 8.00 Uhr und noch einmal am Dienstagnachmittag um 14.00 Uhr wiederholt. Das Manuskript zur Sendung werde ich in den kommenden Tagen auf meine Homepage stellen: www.waltpolitik.de.

Nächste Woche könnt ihr auf diesem Sendeplatz die Redaktion Gegen das Vergessen mit ihrer gleichnamigen Sendung hören. Im Anschluß an diese Sendung folgt Äktschn!, eine Sendung der Kulturredaktion. Am Mikrofon war Walter Kuhl.


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